Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates

 

Das Fach der Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates befasst sich mit Alters- und Verschleissbedingten Veränderungen und Erkrankungen des Skelettes, der Gelenke, der Sehnen und Bänder bzw. mit unfallbedingten Zuständen an diesen Strukturen. 

 

Ausschlaggebend für erfolgreiche Therapien sind korrekte Diagnosen, und oft führen mehrere oder unterschiedliche Therapieansätze zum Erfolg.

Daher kommt es durch die Vielfalt moderner medizinischer Möglichkeiten auch zunehmend zur Verunsicherung der Patienten, und viele Menschen fühlen sich unzureichend zu ihrem Krankheitsbild informiert. 

 

Ein zunehmender Teil ärztlicher Tätigkeit ist daher auch die Beratung im Sinne einer Zweitmeinung durch einen Facharzt, der gar nicht primär als Therapeut/ Operateur angesprochen, sondern sozusagen als zunächst nicht beteiligter Dritter um Rat gefragt wird.

 

In jeder Kultur ist die ärztliche Tätigkeit immer zunächst eine beratende, was den wichtigsten Faktor jeglicher Behandlung in den Mittelpunkt stellt: Den Kranken selbst. Denn ohne oder gegen den Patienten hat kein Behandlungsansatz Aussicht auf Erfolg. Dem Arzt kommt daher die Aufgabe zu, den Kranken auf seinem Weg zur Genesung zu begleiten, ihm den Weg dahin zu erläutern und geduldig zu verfolgen.

 

Rückenschmerzen 

 

können vielfältige Ursachen haben. Dem stärksten Schmerz liegt aber nicht immer die schwerstwiegende Ursache zugrunde. Schwerste Schmerzen, manchmal bis zur Bewegungsunfähigkeit, haben oft sogar einfach zu behebende Funktionsstörungen als Ursache. Dies betrifft oft auch junge Patienten. Dauerhafte, hartnäckige Schmerzen sind oft das Resultat jahrelanger Fehlbelastung oder Überlastung. Wenn die Schmerzen in die Extremitäten ausstrahlen, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

 

 

Schulterbeschwerden

 

sind nicht immer Anzeichen dafür, dass das Problems auch in der Schulter seine Ursache findet. Hierbei darf auch nicht vergessen werden, dass schon im Schultergürtel alleine drei Gelenke als Ursache für die Symptomatik in Frage kommen. Aber auch Veränderungen in der Halswirbelsäule oder Funktionsstörungen von thorakalen Facettengelenken oder Rippengelenken sind häufige und der konservativen Therapie gut zugängliche Krankheitsbilder.

 

 

Nackenschmerzen/ Spannungskopfschmerzen

 

sind in manchen Berufen weit verbreitete Begleiterscheinungen. Hier ist oft eine Beratung zielführend, um eine durchgreifende Verbesserung der Lebensqualität oder gar den Erhalt der Arbeitsfähigkeit zu bewirken. Begleitend ist aber zumeist eine begleitende manuelle Therapie erforderlich, und oft ist eine bleibende Besserung ohne Physiotherapie nicht zu erzielen. Die Motivation des Patienten ist hier nicht selten der entscheidende Faktor.

 

 

Knieschmerzen

Können unterschiedlichste Ursachen haben. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen verschleißbedingten, oft altersabhängigen Veränderungen zumeist mehrerer Strukturen und Veränderungen, die ihre Ursache in kurzfristigen Überlastungen oder gar Verletzungen haben. Verschleissbedingte Erkrankungen finden sich bereits ab dem 40. Lebensjahr, unfallbedingte Krankheitsbilder sind häufiger in der ersten Lebenshälfte. Schmerzhafte Einklemmungserscheinungen, insbesondere verbunden mit der Unfähigkeit das Knie zu beugen oder zu strecken, können ein Hinweis auf eine Meniskusverletzung sein.

Gelegentlich jedoch finden sich Knieschmerzen auch bei Wirbelsäulenleiden oder Achsabweichungen der langen Röhrenknochen der unteren Extremität. Die Differenzialdiagnose ist oft schwierig, häufig wird hier apparative Diagnostik (Röntgen, MRI) erforderlich.

 

 

Hüftschmerzen 

 

auch hier ist die Arthrose eine häufige Erkrankung, nicht selten jedoch kommt es auch an diesem Gelenk zu Einklemmungserscheinungen im Sinne von Blockierungen. Sehr häufig findet sich jedoch die Ursache für den Hüftschmerz nicht in diesem Gelenk selbst, sondern in den nicht allzu weit entfernten Kreuzdarmbeingelenken oder im Bereich der mittleren/oberen Lendenwirbelsäule. In aller Regel ist hier die Therapie konservativ; Manuelle Therapie, Physiotherapie bringen hier zumeist deutliche Besserung. Auch wenn im Verlauf der letzten 20 Jahre dramatische Fortschritte im Bereich der Endoprothesen gemacht wurden, sollte der totale Gelenksersatz von der individuellen Lebenssituation des Patienten abhängig gemacht werden.

 

 

 

Schmerzende Füsse

 

können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Manchmal sind es Folgezustände von Unfällen, Knochenbrüchen, Quetschungen. Häufiger jedoch das Resultat sich in ihrer Position zueinander verändernder Fussknochen, wiederum zurückzuführen auf Bindegewebsschwächen, Lähmungen/ Muskelschwächen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen. Auch Nervenleiden oder Diabetes mellitus können hierfür ursächlich sein. 

Ebenfalls nicht selten kommt es durch kurzfristige Veränderung der Belastung zu Schmerzen, denen zumeist mit Auftrainieren der geforderten Muskel beizukommen ist. Die vom Patienten nachgefragte Verordnung von Einlagen/ Schuhzurichtungen ist hier manchmal der falsche Weg, da oft hierdurch die Muskeln nicht gestärkt, sondern aus der Pflicht genommen werden.

 

 

Wege aus dem Schmerz

 

Grundlage jeder zielführenden Therapie ist die korrekte Diagnose, nicht die primäre Einnahme oder Verordnung eines Schmerzmittels, welches die Symptomatik maskiert und hierdurch die Diagnosefindung erschwert oder unmöglich macht. Auch ist ein Schmerzmittel zumeist nicht in der Lage, die Schmerzen vollständig auszuschalten. Unter Schmerzmitteln kommt es gar oft zur Chronifizierung von Schmerzsymptomen oder Entwicklung von Abhängigkeiten. 

Eine genaue Anamnese, gefolgt von einer körperlichen Untersuchung des nicht anbehandelten Patienten führt oft schon zur richtigen Diagnose. Sollten dennoch Zweifel bestehen, bietet moderne apparative Diagnostik zusätzliche Informationen mit gelegentlich überraschenden Befunden, insbesondere dann, wenn die Anamnese unvollständig ist.

 

Die Orthopädie ist Klassischerweise ein konservatives Fach, auch wenn moderne operative Verfahren Möglichkeiten eröffnen, die vor zehn oder zwanzig Jahren in ihrer Wirksamkeit und resultierender Patientenzufriedenheit undenkbar waren.

 

Welches Vorgehen, welche Verfahren schlussendlich am ehesten zum gewünschten Resultat führen, hängt aber ganz entscheidend davon ab, was der einzelne Patient in seinem Beruf, in seinem Sport, seinem Leben mit seinem Körper machen will. Die schönen Röntgenbilder, die wir oft in Lehrbüchern oder auf Kongressen sehen, lassen sich nur schwer von einem Patienten auf den anderen übertragen. Das Wissen um die Lebenssituation des einzelnen Patienten ist hier für die individuelle Beratung von Ausschlaggebender Bedeutung. Da es in der Orthopädie zumeist Verschleissbedingter Erkrankungen selten zu Lebensrettenden Eingreifen kommt, muss auch dem Patienten nur selten ein Eingriff dringend gemacht werden, da eine Verschiebung operativer Massnahmen nicht tödlich ausgeht. Die Entscheidung des Patienten zum operativen Eingriff ist daher in der Regel das Resultat langer Abwägung unter zunehmendem Leidensdruck und/ oder nachlassender Lebensqualität mit zunehmender Einschränkung seiner Möglichkeiten.